Warum manche Schüler in der Schule erfolgreich sind, andere aber nicht

Was ist für den Schulerfolg verantwortlich? Die Schüler, die Lehrer, die Elternhäuser? Nun diese Frage hat John Hattie, ein Bildungsforscher aus Neuseeland, untersucht und dabei mehr als 50000 Studien bzw. 800 Metastudien ausgewertet. Metastudien werten viele einzelne Studien zu einer Frage aus.

Die stärksten Einflussfaktoren auf den Schulerfolg haben die Schüler selbst, die 50% des Schulerfolgs bestimmen, 30% wird von den Lehrern festgelegt. Eher unbedeutend sind die Einflüsse der Familie mit 5 bis 10%, der Freunde mit 5 bis 10% und der Rahmenbedingungen von Schule mit 5 bis 10%.

Zugleich hat er auch untersucht, was zugleich am meisten schadet: Spitzenreiter ist das Sitzenbleiben, gefolgt vom Fernsehen und den Sommerferien, die jeweils negative Einflüsse auf das Lernen zeigen.

Vieles woran heute geglaubt wird, hat keinen oder kaum Einflüsse oder wie es Hattie formuliert, es schadet und nützt aber auch nicht: Dazu gehören z.B. offene Unterrichtsformen, Teamteaching, jahrgangsstufenübergreifende Klassen, webbasiertes Lernen und induktives Lehren und Lernen.

Was fördert nun Schüler am meisten? Die stärksten positiven Einflüsse auf das Lernen haben die Qualität des Unterrichts, das Feedback des Lehrers an die Schüler, die Vermittlung von Lernstrategien, Programme zur Leseförderung, fachspezifische Lehrerfortbildung und problemlösender Unterricht.

Hattie betont, dass Strukturreformen sehr wenig erfolgreich sind und die zentralen Ursachen schulischen Lernens in den Lehrkräften und deren Unterricht zu suchen sind. Daher sollten sich Reformen auf die Unterrichtsentwicklung beziehen und nicht auf die Strukturen von Schule.

Die Untersuchung von Hattie ist vor allem deshalb interessant, weil die deutsche Liebe, die gesamte Schulstruktur zu ändern, gerade keine Unterstützung findet. Im Gegenteil: Die Änderung von Schulstrukturen hat auf den Schulerfolg kaum einen Einfluss. Dennoch ist es das größte Steckenpferd der Politik, egal um welche Partei es sich nun handelt. So hat Deutschland unzählige Strukturreformen und –kämpfe hinter sich gebracht und nur ungern lassen Politik und Medien von dem Glauben, dass die Organisationsform das gute Lernen macht. Dabei ist es eigentlich klar, dass die Kinder vor allem über den Lehrer lernen. Die Form, in der unterrichtet wird, ist dagegen eher sekundär. Aber die unzähligen Reformen im deutschen Bildungssystem der letzten Jahrzehnte machen eines deutlich, dass vor allem die Strukturen, nicht aber das Lernen verändert wurde. Wie viel Zeit und Energie in die Reformen von Strukturen investiert wurden und letztlich kaum etwas verändert haben, lässt sich kaum ermessen. Dabei haben die vielen Reformen in Deutschland immer eines gemeinsam: Niemand interessiert es, ob die gewünschten Ziele auch erreicht werden. So kann man sich zwar politisch immer einen heftigen Schlagabtausch liefern, hat aber keine Daten darüber, ob nun die Dinge nun besser laufen als vorher. So existieren z.B. zum Erfolg des achtjährigen Gymnasiums viele Meinungen, es gibt aber ausgesprochen wenige wissenschaftlich begleitende Untersuchung, was nun besser oder schlechter geworden ist.

Auch zur deutschen Differenzierungsdebatte hat Hattie eine Antwort: Besonders begabte Schüler werden am stärksten gefördert, wenn die Lehrer entsprechende Aufgaben für sie bereit halten, weitaus schwächere Effekte haben Zusatzangebote für besonders begabte Schüler, den geringsten Effekt hat die Einteilung von Gruppen nach ihrer Leistungsstärke. All das spricht für einen Unterricht, bei dem sowohl die guten als auch die schwächeren Schüler hinreichend gefördert und gefordert werden. Und das betrifft dann alle Schularten gleichermaßen.

Wo man Hattie wahrscheinlich für Deutschland widersprechen muss, ist der geringe Einfluss der Eltern auf den Schulerfolg, den dieser festhält. Nach Hattie prägen Eltern insbesondere mit ihrer Motivation und Einstellung das Lernen ihrer Kinder. Was er dabei natürlich aufgrund der Einbeziehung von Studien weltweit nicht im Blick hat, ist die Bedeutung der Eltern bei den Halbtagsschulen in der Bundesrepublik. Der Einfluss der Eltern als Hilfslehrer bei den Hausaufgaben ist in Halbtagsschulen mit Hausaufgaben am Nachmittag sicher anders als in einem Ganztagsschulsystem.

 

Literatur:

John Hattie, Visible Learning 2009.

John Hattie (2003): Teachers Make a Difference: What is the research evidence? (Download auf www.decd.sa.gov.au)

Video von Hattie: http://www.youtube.com/watch?v=sng4p3Vsu7Y

This entry was posted in Eltern, Lehrer, Schüler, Schulerfolg, Schulorganisation and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort