Warum kann Bill Gates nicht Systembetreuer an einer deutschen Schule werden?

 

Man stelle sich vor, eines Tages stände Bill Gates vor den Türen eines Gymnasiums, um dort zu arbeiten. An vielen Schulen gibt es Systembetreuer, die sich um Computer, deren Vernetzung und Einsatz kümmern. Der Mann, der Microsoft aufgebaut hat, sollte dafür doch eigentlich geeignet sein.

Gut wäre es, wenn er sich eine Privatschule ausgesucht hätte, denn diese könnte ihn tatsächlich anstellen. Warum: Nun dort entscheiden die Schulen selbst, wen sie einstellen und wen nicht.

Ganz anders sieht das jedoch beim Staat aus. Was würde also passieren, wenn sich Bill Gates mit seinem Wunsch Systembetreuer an einer Schule zu werden, an einer staatlichen Schule vorstellen würde? Nun, Bill Gates müsste sich beim Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes bewerben, um angestellt zu werden. Wäre ihm der Einsatzort egal, müsste er sich bei allen 16 Kultusbehörden bewerben. Von diesen 16 Kultusbehörden würde er dann eine Absage erhalten, denn natürlich hat Bill Gates keine Lehramtsausbildung, er wollte ja den Schulen als Systembetreuer arbeiten. Nun sind Systembetreuer normalerweise Lehrer, die sich ihr Wissen um Computer und Technik zusätzlich angeeignet haben. Dafür bekommen sie in einigen Ländern und Schulen dann Anrechnungsstunden, wo sie vom Unterricht freigestellt werden. Das will Bill Gates tun, gerne auch an verschiedenen Schulen. Doch ohne Lehramtsausbildung geht leider gar nichts.

Was ihm stattdessen geraten wird, ist sich direkt bei den staatlichen Gymnasien zu bewerben. Noch ist Bill Gates motiviert und denkt sich, nichts leichter als das. Er meldet sich bei einer Schule, z.B. an einem Gymnasium in Bayern, um dort zu arbeiten. Der Schulleiter ist hoch erfreut und würde ihn einstellen. Er hat von Seiten des Ministeriums Stunden, über die er frei verfügen kann. Was jetzt erforderlich ist, ist Formulare auszufüllen und die zuständige Regierung kann ihn dann einstellen. Allerdings ist es schwierig, denn eigentlich dürfen die Mittel nur für Unterricht verwendet werden. Nun vielleicht wird man einen Weg finden und es wäre ja schon eine Blamage, Bill Gates abzuweisen, und sicher wird sein Name das Notwendige tun, hier die Bürokratie etwas zu erweichen.

Allerdings, etwas sollte Bill Gates nicht tun, nämlich sich nach der Bezahlung und seinen Perspektiven zu erkundigen. Denn Bill Gates wird nach seiner Vorbildung bezahlt. Das ist allerdings schlecht für unseren Microsoftmann, denn dieser hat ja seine Schulbildung abgebrochen und in seiner Garage das erste Windows-Betriebssystem entwickelt. Nur einen Schulabschluss kann Bill Gates vorweisen, aber keine Berufsausbildung, kein Studium, schlichtweg gar nichts. Damit wird Bill Gates in der untersten der nur möglichen Besoldungsgruppen eingeordnet. Nun ist Bill Gates sicher auf das Geld nicht angewiesen, eher fehlt ihm zunehmend die Motivation und wahrscheinlich auch der Glaube, dass man ihn an einer deutschen Schule überhaupt haben will. Überwindet Bill Gates auch diesen Schock, so wird ihm an einer deutschen Schule schnell eines klar: Aufsteigen kann er an der Schule nicht, denn egal, was er tut und macht, seine ihm fehlende Ausbildung wird ihn für immer verfolgen.

Schade für die deutschen Schulen, dass Bill Gates nicht bei ihnen arbeiten kann, gut aber für Bill Gates: Denn es ist schwer vorstellbar, dass ihn der deutsche Formalismus nach Vorbildung und nicht nach aktueller Leistung einzustellen, dazu gebracht hätte, an eine staatliche deutsche Schule zu wechseln. Da hätte er es an einer Privatschule sehr viel einfacher. Als Mann der Praxis würde sich Bill Gates vermutlich ganz am Ende eine Privatschule kaufen, um arbeiten zu können.

So gehen jedes Jahr viele Talente nicht an staatliche Schulen, denn für all diese heißt es, hinten anstellen, egal, was sie vorher gemacht haben. Auch wer z.B. vor zehn Jahren eine Lehramtsausbildung erfolgreich absolviert hat, für den heißt es, hinten anstellen und alles vergessen, was sie in den zehn Jahren in einem anderen Beruf gemacht und an Kompetenzen erworben haben. Das schafft natürlich nicht unbedingt Motivation. Viele wechseln sehr schnell wieder in die Wirtschaft, wo ihnen doch ganz andere Perspektiven angeboten werden. Aber ganz ehrlich, ein Gates und eine staatliche Schule passen nun einmal nicht zusammen.

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